Musik und Kultur

Wie würde unsere Welt ohne Musik aussehen?

An der Wende zum 21. Jahrhundert werden viele Dimensionen der Kultur einer erneuten Bewertung unterzogen. Dies gilt nicht nur für Religion, Metaphysik, Wissenschaft und Technologie sowie für die ebenso zahlreiche wie unterschiedlichen Dimensionen der Kunst, sonder insbesondere auch für die Musik in ihren vielfältigen Erscheinungsformen. Viele Phänomene der Gegenwart deuten darauf hin, dass Musik die kulturbestimmende Dimension des neuen Jahrhunderts werden könnte. Begründet wird dies durch die Besonderheit der Musik, die eine spezifische dynamische Ästhetisierung aller Schichten und Formen menschlicher Existenz erreicht und diese realisieren kann.

Musik präsentiert sich als ein faszinierendes kulturelles Phänomen besonderer Art. Musik zeigt sich als ein evolutionäres Phänomen zumindest dahingehend, dass Unverbundenes mit einer Geschwindigkeit miteinander verbunden wird, wie es niemals zuvor in dieser Deutlichkeit der Fall war. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Musik wie keine andere Kulturdimension die grundlegende Strukturen des Menschen als ein hochdifferenziertes Gefüge begreifen lässt. Musik konstituiert tendenziell eine Art dynamische Einheit von Emotion, Kognition und Sozialisation.

Musik hat eine Funktionalität die in der natürlichen Sprache nicht vorhanden ist: Musik generiert kein bestimmtes Menschen- oder Gesellschaftsbild, sondern Möglichkeiten für personale und kulturelle Identitätsbildung.

Musik liefert keinen direkten Weg hin zu oder weg von einer Befindlichkeit bzw. Bezogenheit, sondern sie eröffnet vielmehr Möglichkeiten, die selbst jeweils neue Form von Befindlichkeiten repräsentieren. Dieser evolutive Entfaltungscharakter von und durch Musik vereinigt in sich, wie dies in keiner anderen Kulturdimension der Fall ist, die alles entscheidenden Grundbestimmungen des Menschen: Rationalität und Emotionalität.